Frau mit Migräne

Migräne – eine unterschätzte Krankheit!

Jeder hatte bestimmt schon einmal Kopfschmerzen. Nach einem anstrengenden Tag vor dem Computer, als erstes Anzeichen einer Grippe, nach exzessivem Sport oder nach einem weinseligen Abend. Auch von Migräne hat wohl jeder schon gehört. Aber wie einschränkend sich diese Krankheit auf das Leben auswirken kann, können sich in Gänze vermutlich nur Betroffene (und ihre Angehörigen) vorstellen.

In diesem Artikel klären wir die Fragen:

  • Was genau ist Migräne?
  • Welche Symptome können auftreten?
  • Wer ist betroffen?
  • Was sind die zugrundeliegenden Ursachen
  • Was kann helfen?

Was ist Migräne?

Bei Migräne handelt es sich um attackenartig auftretende Kopfschmerzen, die oft sehr schwer pulsierend und pochend sind. Das Wort „Migräne“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt „halber Schädel“.

Darstellung von beiden Gehirnhälften bei Migräne

Typische Migräne-Symptome

Der Schmerz ist oftmals einseitig. Bewegung verstärkt normalerweise die Schmerzen. Die Kopfschmerzattacken werden häufig von Erbrechen und schwerer Übelkeit begleitet. Viele Betroffene leiden unter einer Licht- und Lärmempfindlichkeit und sind auch gegenüber Gerüchen sehr sensibel. 

Migräne mit Aura

Ungefähr 10% der Migräniker haben neurologische Probleme wie schwere Sehstörungen, Lähmungen, Sprach- oder Bewusstseinsstörungen. Sie leiden unter einer sogenannten Aura. Diese tritt kurz vor dem eigentlichen Migräneschmerz auf.

Wie wird Migräne diagnostiziert?

Im Sinne der Schulmedizin handelt es sich bei der Krankheit Migräne um eine ideopathische organische Erkrankung des Gehirns. Ideopathisch bedeutet ‚aus sich selbst heraus‘. Es gibt also keine anderen zugrundeliegenden Ursachen. 

Da das Gehirn betroffen ist, ist die Neurologie zuständig.

Die Migräne kann organisch nicht diagnostiziert werden. Sie wird anhand folgender Diagnosekriterien erfragt:

A.Mindestens 5 Attacken, die B-E erfüllen
B.Dauer des Kopfschmerzes zwischen 4 und 72 Stunden (unbehandelt oder nicht erfolgreich behandelt)
C.Mindestens 2 der folgenden 4 Charakteristika müssen vorliegen:

1. Einseitiger Kopfschmerz
2. Pulsierender Schmerzcharakter
3. Moderate bis starke Schmerzintensität
4. Verstärkung der Beschwerden durch körperliche Routineaktivität oder Vermeidung dieser Aktivität (z.B. Treppensteigen)
D.Während der Kopfschmerzen tritt mindestens eines der folgenden Symptome auf:

1. Übelkeit und/oder Erbrechen
2. Licht- und Lärmempfindlichkeit
E.Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen
Diagnosekriterien der Migräne gemäß der aktuellen Klassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft

Je nachdem wie oft die Attacken auftreten, wird nach episodischer und chronischer Migräne unterschieden.

  • Ist die Anzahl der monatlichen Schmerztage größer als 15 und dies über mindestens 3 Monate hintereinander, dann spricht man von einer chronischen Migräne. Wobei nur an 8 Schmerztagen eine Migräne vorliegen muss. An den restlichen Tagen kann es sich auch um Spannungskopfschmerzen handeln.
  • Von episodisch spricht man, wenn die Schmerzen seltener auftreten.

Wer ist betroffen? 

In Deutschland sind ca. 15% der Frauen und 6% der Männer von Migräne betroffen.[1]Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland. Prävalenz und Erkrankungsschwere im Rahmen der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020; Journal of Health Monitoring, 2020, RKI Man schätzt, dass in Deutschland jeden Tag eine Million Menschen an Migräne leidet. Am häufigsten tritt Migräne im jungen bis mittleren Erwachsenenalter auf. Aber auch Kinder und Jugendliche sind betroffen. Und es werden immer mehr. Bei den 18- bis 27-Jährigen erhöhte sich die Verordnungsrate von speziellen Migräne-Medikamenten von 2005 bis 2015 um 58%.[2]Süddeutsche Zeitung, Immer mehr junge Erwachsene leiden an Kopfschmerzen, 2017

Der Leidensdruck ist enorm

Menschen, die an Migräne leiden, erleben oftmals eine starke Einschränkung ihres Alltags.

Wie stark sich die Migräne auf die Lebensqualität auswirkt, vermittelt die Global-Burden-of-Disease Studie.[3]GBD 2017 DALYs and HALE Collaborators (2018) Global, region- al, and national disability-adjusted life-years (DALYs) for 359 dis- eases and injuries and healthy life expectancy (HALE) for 195 … Continue reading Die niedrigere Lebensqualität durch krankheitsbedingte Einschränkungen wird bei der Berechnung der Krankheitslast (Burden of Disease) anhand des Verlustes an gesunder Lebenszeit gemessen. Laut dieser Studie hatte Migräne in Deutschland 2017 einen Anteil von 5,1% der in Krankheit verbrachten Lebenszeit (years lived with disability, YLD) und nahm damit Rang zwei aller Erkrankungen ein.

Frau liegt mit Migräne im Bett

In Deutschland ist Migräne der häufigste Grund für eine Behinderung bei unter 50-Jährigen.[4]Göbel et al., Erenumab – Empfehlungen für die Praxis. Schmerzmedizin 2019; 35

Häufige Begleiterscheinungen sind außerdem Depressionen und Angststörungen. Auch Schlaganfälle und Herz-Kreislauferkrankungen treten gehäuft auf.[5]Burch RC, Buse DC, Lipton RB, Migraine – Epidemiology, burden, and Co morbidity. Neuro Clin 2019; 37: 631–649.

Die Ursachen der Migräne?

Die Ursachen der Migräne sind noch weitestgehend ungeklärt. Wahrscheinlich liegt dem Migräneschmerz eine Aktivierung des trigemino-vaskulären Systems zugrunde.[6]Olesen et.al., Origin of pain in migraine: evidence for peripheral sensitisation, Lancet 2009; 8; 679-690 Hierbei handelt es sich um die Interaktion zwischen den Hirnblutgefäßen und dem Trigeminusnerv. Woher diese Aktivierung kommt, ist jedoch unklar.

Leuchtende Darstellung eines Gehirns

Mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass es sich bei Migräne unter anderem um ein Energiedefizit des Gehirns handelt und dass Änderungen im Energiestoffwechsel zur Entstehung beitragen könnten.[7]Levy, Migraine Pain and Nociceptor Activation; Headache 2010; 50 (5); 909-916 Auch eine verminderte Glukose-Verwertung konnte mit bildgebenden Verfahren bei Migränikern festgestellt werden.[8]Kim et al., Interictal Metabolic Changes in Episodic Migraine: A Voxel-Based FDG-PET Study; Cephalalgia 2009; 30 (1); 53-61 

Eine der Hauptaufgaben der Nervenzelle ist das Aufrechterhalten des Membranpotentials zwischen dem Innen und dem Außen der Zelle. Fehlt es wegen der geringeren Zuckerverwertung den Nervenzellen an Energie, ist es vorstellbar, dass das Membranpotential sinkt. Hierdurch könnte sich die viel zitierte Übererregbarkeit von Migränikern erklären. Die Nervenzellen feuern mit einem verminderten Membranpotential viel leichter, sie reagieren wesentlich empfindlicher auf Reize.

Warum habe ich Migräne?

Die Migräne ist eine vielschichtige Krankheit mit zahlreichen Auslösern. Vermutlich hat jeder Betroffene seine „eigene“ Migräne. Der eine reagiert sehr stark auf Alkohol und bestimmte Lebensmittel, der nächste auf Hormonschwankungen, ein anderer auf den Wechsel des Wetters.

Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. So werden Migränikerinnen verstärkt um den Eisprung oder die Periode herum von Migräneschmerzen heimgesucht. Viele Betroffene ernähren sich sehr kohlenhydratreich.

Die Entstehung einer Migräne kann jenseits der wissenschaftlichen Hintergründe mit dem Fassmodell recht gut erklärt werden.[9]Dr. Pfeiffer, Der Migränedetektiv, epubli 2017 Der menschliche Körper ist ein Fass. Dieses Fass füllt sich bei Belastung. Je mehr Faktoren (Trigger) gleichzeitig auftreten, desto voller wird es.

Mögliche Faktoren, die das Fass füllen, sind:

  • „migräneungünstige“ Ernährung
  • nicht optimal arbeitende Mitochondrien
  • Hormone und Neurotransmitter
  • Stress
  • osteopathische, biomechanische Ursachen
  • Wetterumschwünge
  • genetische Ursachen
  • neuraltherapeutische Ursachen
  • Schlafmangel
  • psychische Ursachen.

Unser Körper kann enorm viel kompensieren. Ist das Fass unterhalb des Randes gefüllt, zeigt er noch keine Reaktion. Läuft das Fass über, dann äußert sich dies in einem Migräneanfall. Das Ziel ist es, das Fass zu leeren, damit es nicht zu einer Schmerzattacke kommt.

Dieses Modell kann gut erklären, warum es für verschiedene Betroffene so viele verschiedene Trigger gibt und warum bei dem Einen eine Behandlung hilft und bei dem Anderen nicht. 

Medikamente & Alternativen: Was hilft gegen Migräne?

In der ärztlichen Migränetherapie unterscheidet man zunächst 

  • die Behandlung von akuten Migräneattacken 
  • die Prophylaxe-Behandlung von häufig auftretenden oder sehr schweren Migräneanfällen. 
Medikamente gegen Migräne

Migräne Tabletten: Behandlung im Akutfall

Zur Behandlung von leichten und mittelschweren Migräneattacken empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) klassische Schmerzmittel wie etwa Ibuprofen und Acetylsalicylsäure.

Bei starken Migräneschmerzen oder Migräneanfällen, die nicht auf diese ansprechen, sollten Triptane eingenommen werden.[10]DGN, Leitlinien “Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne”, 2018 Triptane sind spezielle Migränemedikamente, die normalerweise bei einem Spannungskopfschmerz unwirksam sind.

Die Wirksamkeit nicht medikamentöser Verfahren im akuten Migränefall wurde bislang nicht ausreichend untersucht. Entspannungsübungen wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen werden empfohlen. 

Vorbeugende Maßnahmen gegen Migräne

Zur Vorbeugung von Migräneattacken empfehlen die Ärzte vor allem medikamentöse Substanzen. Allen gemein ist, dass sie ursprünglich gegen andere Krankheiten entwickelt wurden. Bei der chronischen Migräne wird zur Prophylaxe gelegentlich Botox (Botulinumtoxin Typ A) eingesetzt. 

Das erste echte Migräneprophylaxemittel kam 2018 mit der CGRP-Antikörperspritze auf den Markt. Ausgangspunkt ist der Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene Related Peptide), ein Eiweißmolekül, welches in Nervenzellen gebildet wird. Während einer Migräneattacke wird CGRP vermehrt freigesetzt. Dies führt zu einer starken Erweiterung der Blutgefäße und fördert die Schmerzweiterleitung. Die Antikörperspritze vermindert das CGRP-Level. 

Da die Therapie mit den CGRP Antikörpern sehr teuer ist, ist sie nur induziert, wenn die bisherigen Prophylaxemedikamente versagen oder nicht vertragen werden. Studien zeigen übrigens, dass der CGRP-Spiegel auch durch eine ketogene Ernährung reduziert werden kann.[11]Di Lorenzo, C. et al.: Cortical functional correlates of responsiveness to short-lasting preventive intervention with ketogenic diet in migraine, The Journal of Headache and Pain 17, 58 (2016)

Als weitere wirksame Substanzen werden in den Leitlinien

  • Vitamin B2
  • Coenzym Q10
  • Magnesium 

aufgeführt.

Die zweite Säule der Prophylaxe sind nichtmedikamentöse Maßnahmen. Empfohlen werden zum Beispiel Stressmanagement, Entspannungsverfahren, Biofeedback und anaerober Ausdauersport. 

Alternativen zur medikamentösen Behandlung

Die von der Schulmedizin favorisierte medikamentöse Therapie ist oftmals nicht zufriedenstellend. Die Medikamente wirken nicht bei jedem oder nicht immer, sie haben zum Teil extreme Nebenwirkungen und es besteht die Gefahr eines Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerzes (MÜK). 

Vor diesem Hintergrund stellen Lebensstiländerungen echte und nachhaltige Therapieoptionen dar.

So gibt es Studien und Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass eine Lebensweise, die die Mitochondrien stärkt[12]Dr. Kuklinski et al., Die Mitochondrientherapie, Aurum 2014  und eine Ernährung, die „migränegünstig“ ist,[13]Di Lorenzo, C. et al.: Cortical functional correlates of responsiveness to short-lasting preventive intervention with ketogenic diet in migraine, The Journal of Headache and Pain 17, 58 (2016) einen enorm positiven Einfluss auf die Migränestärke und -häufigkeit haben können.

Quellenverzeichnis[+]

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