Akupressur an der Hand

Akupressur: Sanfter Druck für besseres Wohlbefinden

Hast du bei Müdigkeit oder Kopfschmerzen schon einmal instinktiv die Stellen außen an der Nase auf Augenhöhe massiert, dort wo die Brillenbügel sitzen? Dann war dir vielleicht gar nicht bewusst, dass du Akupressur angewendet hast, um deine Beschwerden zu lindern.

Diese scheint aktueller denn je – neuerdings gibt es z. B. vergoldete kleine Akupressurkugeln, die man am Ohr trägt wie Schmuck, bloß mit gesundheitsfördernder Wirkung. Diese sogenannten Ear Seeds werden mit transparenten Klebepunkten in der Ohrmuschel platziert und wirken dort wie Akupressur.

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Also ein bisschen herumdrücken und massieren, wo es weh tut, fertig? Das kannst du schon machen. Akupressur ist es dann aber nur bedingt: Sie basiert auf einem ausgeklügelten System und ist eine Heilmethode, die es schon vor Jahrtausenden gab. Dass sie aber durchaus leicht zugänglich und praktisch ist, wollen wir im Folgenden zeigen.

Was ist Akupressur?

Unter Akupressur wird ein Heilverfahren verstanden, das mittels Bewegungen und Druck der Fingerkuppen auf bestimmte Punkte am Körper Beschwerden beeinflussen soll (nach dem lateinischen pressura, das Druck bedeutet).[1]https://www.duden.de/rechtschreibung/Akupressur

Eng mit Akupunktur verbunden, jedoch noch älter, behandeln beide bestimmte Punkte auf Meridianen, in denen der Energiefluss des Körpers verortet wird. Die Akupunktur arbeitet jedoch mit Nadeln, wirkt dadurch intensiver und ist damit definitiv nichts für Laien. Daneben gibt es noch den Einsatz von Lasern, Ultraschall oder Wärme.

Sie entstammen der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), die etwa Mitte des 20. Jahrhunderts ernsthaft in Europa Anerkennung fand, in China hingehen vor über 5000 Jahren entdeckt und entwickelt wurde.

  • Als Meridiane werden die Bahnen oder Kanäle bezeichnet, in denen der Energiefluss stattfindet und möglicherweise gestört ist. Sie bilden eine Art universelle Vernetzung: Sie verlaufen längs am Körper, aber sind auch untereinander und mit den inneren Organen verbunden. Von dieser Energie, entsprechend des Chinesischen auch Qi oder Chi genannt, hast du eventuell schon gehört.
  • Die Energiepunkte auf der Haut sind Stellen auf den Meridianen, die besonders auf bioelektrische Impulse im Körper ansprechen und sie weiterleiten sollen. Sie sind druckempfindlicher als der umliegende Bereich und darum mit etwas Übung einfach zu finden.
Meridiane Akupressur
Meridiane und Energiepunkte am menschlichen Modell

Krankheitssymptome gelten in der Philosophie der TCM als Abbild eines gestörten oder blockierten energetischen Zustandes, eines Ungleichgewichts im Körper. Gesundheit ist hingegen der Normzustand. Durch die Behandlung sollen die Selbstheilungskräfte des Menschen aktiviert werden.

Natürlich können nur entsprechend ausgebildete ÄrztInnen, TherapeutInnen und HeilpraktikerInnen eine solche Behandlung professionell und mit umfangreichem Wissen durchführen.

Die Technik an sich kann aber erst einmal jeder problemlos durchführen, wobei viele der Akupressur-Punkte Abbildungen zu entnehmen sind und es in Büchern ggf. auch ausführlichere Erklärungen gibt.[2]Prof. mult. h. c./China, Dr. med. Frank R. Bahr (2003): “Akupressur. Erfolgreiche Selbstbehandlung bei Schmerzen und Beschwerden.” München: Wilhelm Goldmann Verlag.

Wie führt man Akupressur aus?

Grundsätzlich drückst du bei der Akupressur den entsprechenden Punkt etwa 30 Sekunden bis hin zu einigen Minuten mit zügigen Bewegungen (abhängig von der jeweiligen Methode und gewünschten Wirkung bzw. Stärke und dem Alter). Und das bestenfalls dreimal am Tag. Ist das nicht möglich, wird die Behandlung wenigstens mehrmals die Woche empfohlen, um bei größeren Beschwerden eine Wirkung zu spüren. Bei Müdigkeit oder anderen Verstimmungen könnte schon eine kleine Notfall-Akupressur helfen, wie der oben erwähnte Griff an die Nasenwurzel.

Die eigenen Finger eignen sich dafür optimal, an einigen Stellen auch die Fingerknöchel. Hilfsmittel wie ein Golfball, oder, mit aller Vorsicht, das abgerundete Ende eines Stifts, sind ebenfalls einen Versuch wert.

Gua Sha Massagestein Akupressur
Akupressur mit einem sogenannten Gua Sha Massagestein

Ähnlich funktioniert die Klopfakupressur, bei der ebenfalls bestimmte Punkte am Körper mit den Fingern behandelt werden, aber eben klopfend. Es soll dadurch Energie in die Meridiane geschickt werden, oftmals in der Form einer festen Abfolge von Punkten.

Was passiert im Körper während Akupressur?

Ort der Verspannung oder des Schmerzes ist manchmal, keinesfalls immer, identisch mit dem Energiepunkt, an dem man Druck ausübt. Dieser kann an der Hand, am Fuß, Knöchel, Knie, Kopf oder am Rücken liegen, um bloß einige Beispiele zu nennen.

Jedem Punkt wurde in China eine spezifische Bezeichnung bzw. in Europa ein Kürzel zugeordnet, z. B. “Talschluss” bzw. “Di 4” für einen Punkt zwischen Daumen und Zeigefinger. So ein Punkt kann also durchaus bei unterschiedlichen Beschwerden behandelt werden.

Der Druck des Fingers erzeugt eine Faserdehnung und dadurch Entspannung, also gewissermaßen die Lösung einer Blockade.

Durch diese Anregung des Blutkreislaufs soll auch die Lebenskraft gereizt werden. Mit der Durchblutung steigt die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Außerdem trägt der Abbau von Spannungen und Stress auf Dauer allgemein zur Widerstandskraft gegen Krankheiten bei.

Dementsprechend wird häufig die Kombination mit einer Tiefenentspannung empfohlen, wenigstens aber einer bewussten Pause. Dies unterstützt die Wirkung und macht sie nach der Behandlung spürbar. Dazu gehört eine tiefe Atmung in den Bauch. Nur dann werden alle Organe und Systeme optimal mit Sauerstoff versorgt.

Wofür wird Akupressur eingesetzt?

Akupressur eignet sich einerseits zur Bekämpfung von Kopfschmerzen und Migräne. Über mögliche Ursachen von Kopfschmerzen und viele verschiedene Tipps zur Linderung und Vorbeugung haben wir übrigens ausführlich in einem anderen Artikel geschrieben.

Auch bei Verdauungsbeschwerden und Übelkeit kann sie sehr hilfreich sein, beispielsweise in der Schwangerschaft oder bei Reisen. Dafür wird insbesondere ein Punkt an der Hand bzw. am Handgelenk stimuliert.

Zu den auf diese Weise behandelbaren Beschwerden und Krankheiten gehören außerdem Arthritis, Erkältungen, Infekte und verstopfte Nase, Menstruationsbeschwerden, aber auch Schlaflosigkeit und Depressionen oder Konzentrationsstörungen, sowie Schmerzen des Rückens, der Knie, des Nackens oder der Glieder. Im besten Fall (und IMMER nach Absprache mit dem Arzt) kann man also an Schmerztabletten oder anderen Pharmaka sparen.

Sogar bei Schluckauf, Nasenbluten oder Zahnschmerzen wird Akupressur eingesetzt – die Anwendungsgebiete scheinen auf den ersten Blick beinahe grenzenlos.

Ebenso gibt es Ansätze zur Linderung von Allergien, Hautproblemen und Unverträglichkeiten, die sich anhand von unterschiedlichen Reaktionen zeigen können. Selbstverständlich sollte bei schweren Reaktionen oder Anfällen jedoch sofort medizinische Hilfe gerufen werden!

Sogar bei Tieren schwören so manche auf Akupressur. Das soll uns hier nun nicht weiter beschäftigen. Immerhin zeigt es aber, wie weitläufig das Gebiet mittlerweile ist. Und es zeigt, dass die Wirkung bei ihnen nichts mit Glaube oder Unglaube zu tun hat.

Kleiner Hund auf dem Rücken

Für Akupressur müssen jedoch gar keine offensichtlichen Beschwerden bei dir vorliegen – sie kann im Allgemeinen zum Wohlbefinden beitragen und dir neue Energie und Konzentration schenken. Betrachte Sie unbedingt als Vorsorge! Darüber hinaus wird Akupressur beispielsweise als eine Art Schönheitsbehandlung genutzt, indem sie Gesichtsmuskeln entspannt und Falten reduziert. Wieso auch nicht?

Kann man etwas falsch machen?

Einiges solltest du beachten, wenn du Akupressur bei dir selbst ausprobieren möchtest: Wende niemals übermäßige Anstrengung und erst recht keine Gewalt an! Hier geht es um sanften, aber bestimmten Druck. Es darf ein wohltuender Schmerz entstehen, jedoch kein Aushalten möglichst großer Schmerzen.

Ein schöner und zugleich hilfreicher Nebeneffekt der Akupressur ist sicherlich, dass du sehr genau auf deine Empfindungen auf und unter der Haut achtest. Dadurch, dass es eine Selbstbehandlung ist, kannst du genau auf die Rückmeldung deines Körpers hören und hast alles unter Kontrolle oder besser gesagt: in der Hand. Du wirst achtsamer für Schmerz, Druckgefühl und auch Wohlbefinden und verhinderst dadurch automatisch Schäden wie z. B. blaue Flecken.

Was sich generell gar nicht gut oder richtig anfühlt, lässt du sofort. Auf der anderen Seite hast du dir in jedem Fall etwas Gutes getan und ein Gefühl von Selbstwirksamkeit erzeugt, indem du dich aktiv und verantwortungsbewusst deinem Körper zugewendet hast. Und das bestenfalls regelmäßig und ohne Ablenkung.

Alternativ kannst du natürlich direkt einen Profi fragen, welcher sich bestens mit den genauen Akupressur-Punkten auskennt und auch die Verbindung zwischen ihnen und bestimmten Beschwerden kennt.

Akupressurmatte: Funktion und Wirkungsweise

Akupressur Matten sind weiche Matten, etwa mit Schaumstoff gefüllt, auf denen tausende von kleinen (Kunststoff-)Dornen angebracht sind. Die Matten werden zur schnelleren Regeneration und Schmerzlinderung nach sportlichen Aktivitäten beworben. Sie sollen den Schlaf verbessern und den Nutzer generell fit halten, indem die Durchblutung und Lockerung der Muskeln und Faszien angeregt wird – daher auch Faszienmatte genannt. Eine gezielte und gekonnte Akupressur ganz bestimmter Punkte ist hierbei jedoch nicht gegeben.

Füße auf einer Akupressurmatte

Akupressur-Armband: Taugt es etwas?

Mit einem Akupressur Armband wird durch eine Noppe an der Innenseite ein ganz bestimmter Punkt an den Handgelenken behandelt, der nicht nur gegen Übelkeit wirken soll, sondern auch bei Sodbrennen und Menstruationsbeschwerden genau wie PMS. Dies kann laut Erfahrungsberichten, wenn es richtig sitzt, bereits nach wenigen Minuten Wirkung zeigen.

So erspart es dir sozusagen das ständige Drücken oder Massieren dieses Punktes. Recht bekannt dürfte das “Sea-Band” sein, auf das viele schwören, die unter Schwangerschaftsübelkeit leiden. Es ist in Apotheken und Onlineshops erhältlich und natürlich weder unauffällig noch besonders hübsch – die Hauptsache ist ja, dass es tatsächlich für Linderung sorgt. Da es gezielt einen Punkt akupressiert, sollte man dem Armband bei Bedarf eine Chance geben.

Akupressur-Einlegesohlen und Schuhe: Fuß-Massage to go?

Arten und Materialien von Einlegesohlen gibt es ja wie Sand am Meer, von Wolle und Thermo über speziell angepasste orthopädische Sohlen bis hin zur Fußreflexzonenmassage.

Dazu gehören mittlerweile längst Akupressur Einlegesohlen und Schuhe. Sie können schlicht und einfach angenehm beim Laufen massieren, ansonsten gilt ähnliches wie bei einer Matte. Sehr präzise und auf einzelne Beschwerden oder Krankheiten sind sie naturgemäß nicht abgestimmt, sondern unterstützen die gesamte Durchblutung. Dies im Alltag beim Laufen jederzeit ‘an sich’ zu tragen, ist natürlich praktisch.

Schuhe mit Noppen

Günstiger wäre es dahingehend, so viel es nur geht barfuß zu laufen und dabei im Sommer unterschiedliche Böden und Oberflächen zu suchen. Barfußschuhe kommen an dieses Erlebnis nah dran. Was die Stimulation der Füße angeht, könntest du eine sinnliche und spaßige Alternative ausprobieren: Fülle einen Karton oder eine kleine Wanne mit Kastanien oder Eicheln und mache darauf vorsichtige Schritte. Der Fantasie sind bei der Füllung kaum Grenzen gesetzt.

Gibt es Studien zur Wirkung?

In einem Review aus dem Jahr 2016 wurden zahlreiche Anwendungen der Akupressur und ihrer Wirkungen vorgestellt. Hierbei wurden folgende Personengruppen und Beschwerdebilder unter die Lupe genommen:

  • Akupressur für die Frauengesundheit
  • Akupressur für die Männergesundheit
  • Verminderung von Nebenwirkungen durch Akupressur
  • Akupressur bei Übergewichtigen
  • Sonstige Anwendungsgebiete der Akupressur

In vielen Fällen konnten positive Effekte der Anwendung beobachtet werden. So soll sie beispielsweise bei Frauen Beschwerden der Menstruation und in der Schwangerschaft verbessern. Auch gegen Übelkeit und Erbrechen, die durch diverse Erkrankungen oder Behandlungsmethoden hervorgerufen werden, kann Akupressur angewendet werden.[3]https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22201663/[4]https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24787745/

Spannend ist außerdem die erfolgreiche Anwendung von Akupressur während der Geburt: Besonders am Ohr konnte sie Schmerzen der werdenden Mutter verringern und sogar die aktive Geburtsphase verkürzen.[5]https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0965229920301655

Sogar zur Behandlung von Übergewicht und zum Halten des Gewichts soll Akupressur unterstützend helfen können. Natürlich muss auch eine entsprechende Ernährungs- und Lebensstil-Umstellung in den meisten Fällen erfolgen. Jedoch kann die Akupressur genau hierbei helfen, dies umzusetzen.[6]https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22072347/[7]https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21598412/[8]https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22809026/

Auf eine Schmerzverringerung durch Akupressur in Kombination mit Medikamenten deutet eine andere aktuelle Studie hin.[9]https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2005290120301199

Die bisherige Studienlage zur Wirkung von Akupressur ist also relativ vielversprechend, aber durchaus mit Luft nach oben. Nicht ganz verwunderlich, dass zumindest die Kosten einer Akupunkturbehandlung nicht oder nur in speziellen Fällen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Im Allgemeinen erstatten sie auch keine Heilpraktiker-Kosten, welche häufig mit Akupunktur und Akupressur arbeiten.

Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft noch eine Vielzahl von Studien zu Akupressur folgt, die dem Thema ein noch solideres wissenschaftliches Fundament gibt.

Fazit: Akupressur bewirkt keine Wunder, kann dir aber sehr guttun

Akupressur ist eine ziemlich faszinierende Heilmethode. Sie hat jedoch Grenzen. Bei ernsthaften oder dauerhaften Beschwerden sollte der erste Weg zum Arzt führen. Insbesondere Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen sollten Akupressur nicht anwenden, ohne einen professionellen Rat eingeholt zu haben.

Richtig angewendet ist Akupressur aber ein effektiver Biohack und Teil der persönlichen Gesundheitsfürsorge. Sie kommt ohne unliebsame Nebenwirkungen aus, dazu auch noch ohne Kosten, viel Zeit, Geräte oder spezielle Orte. Stattdessen wird durch sie die Kraft der eigenen Hände und Energie genutzt.

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